Taglilien am Heiderand

Hans-Ulrich und Ilse Kaiser - Taglilienliebhaber und Züchter

Die züchterischen Vorlieben von Hans-Ulrich Kaiser liegen bei vollen, runden und gerüschten Blütenformen, mit und ohne Auge. Trotzdem findet sich auch die ein oder andere Hybride mit schmalen Blütenblättern im Garten, die auf eine Vorliebe von Ilse Kaiser zurückzuführen ist.

2004 hat Hans-Ulrich Kaiser seine erste Züchtung registrieren lassen. Sonntags Kind, Monterey Jack X Strawberry Lace

Bis vor einiger Zeit hat er auch mit diploiden Sorten gezüchtet. Aus diesem Programm sind Mariolas Traum und Uerdinger Charme registriert worden.

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Mariolas Traum, 2008

Newberry Borrowed Time X (Betty Kennedy x Smlg) hat Blüten in einem wunderbaren Porzellanrosa mit zitronengelben Schlund in einer fantastisch festen und glatten Substanz, die sonst eher untypisch für eine diploide Sorte ist. Die Blüten sind bei jedem Wetter flach geöffnet, manchmal auch etwas zurückgebogen.

Uerdinger Charme, 2008,  Siloam Ethel Smith X ‘Benny’, bezaubert mit einer atemberaubenden Farbkombination. Besonders auffällig ist die giftgrüne Schlundfarbe.

Ilse Kaiser wünscht sich schon lange eine schöne, dunkelrote Taglilie. Der Wunsch schien 2001 in Erfüllung zu gehen, als Mort Morss eine Neueinführung mit tief dunkelroter, satter Farbe nach ihr benannte. Leider braucht aber die Blüte mehr Wärme als unser Klima meistens bietet, um diesen tiefen Farbton zu zeigen. Hier erscheint sie oft grau. Da die Sorte jedoch durch einen Schreibfehler als Else Kaiser registriert wurde, gibt es vielleicht noch die Chance auf eine neue Namenssorte? Jedenfalls hat Ilse ihren Mann beauftragt, ihr doch endlich eine richtig satt dunkelrote Taglilie für ihren Garten zu züchten. Er arbeitet daran.

Ein Kandidat könnte dieser Sämling 47-04 sein aus Bright Velvet X Else Kaiser. Ich habe ihn blühend bei Regen gesehen und fand ihn klasse.

2004 kam ich das erste Mal in ihren Garten, der trotz seiner überschaubaren Größe eine geballte Ladung schönster Taglilienblüten bietet. Ich war überwältigt von den vielen nahezu perfekten Blüten und ein Besuch dort zur Blütezeit ist für mich jedes Jahr ein Erlebnis.

 

In diesem Garten sind nur wenige Taglilien tatsächlich ins Beet gepflanzt. Fast alle stehen in Töpfen, vom Sämling bis zum ausgewachsenen Exemplar. Wenn man die prächtigen Exemplare sieht, fragt man sich, wie es möglich ist, dass sich Taglilien in der Topfkultur so entwickeln können.

Die Topfkultur scheint den Hemerocallis in diesem Garten wunderbar zu bekommen, denn alle zeigen durchweg sattgrünes Laub und viele Blütenstiele mit üppigen Verzweigungen, dicht besetzt mit prallen Knospen.

Hans-Ulrich und Ilse Kaiser haben  einen Artikel über ihre Art der Topfhaltung für den Rundbrief der Fachgruppe Hemerocallis der GdS (Gesellschaft der Staudenfreunde) geschrieben, den ich hier mit Erlaubnis der Autoren übernehme:

Unsere Hemerocallis Topfkultur

Als wir uns vor Jahren intensiver mit der Züchtung beschäftigten, wurde bald der uns zu Verfügung stehende Garten zu klein. Die Hems im Boden enger zu stellen ging nicht mehr, so kamen wir auf die Topfkultur, bei der man in der meisten Zeit Topf an Topf stellen kann. Aber nun von Anfang an.

Die Samen lagern wir nach der Ernte in Pergamenttüten im Kühlschrank bei 7-8 C. Meist um Weihnachten holen wir sie wieder heraus. Sie sind meist etwas eingetrocknet und kommen für 3-4 Tage in kleine Becher mit etwas Wasser und ganz wenig Pril, sowie einigen Tropfen einer Trypaflavinlösung; das Wasser darf gerade so etwas irisieren. Pril dient der Entspannung des Wassers und Trypaflavin der Desinfektion. In der Zeit quellen die Samen wieder und werden dick und rund. Jetzt dürfen sie nicht wieder austrocknen, deshalb werden sie in kleine Bögen Küchenpapier, die mit dem in gleicher Weise behandelten Wasser getaucht und wieder ausgedrückt wurden, gerollt. Damit sie feucht bleiben rollen wir die Würstchen in Frischhaltefolie. Danach kommen sie wieder in den Kühlschrank. Hier bleiben sie ca. 4 Wochen.

Hemerocallis sind Kaltkeimer, deshalb führen wir diese Prozedur ganz gezielt durch. Danach säen wir aus. Die Samen werden in unsere normale Topferde in 11er Töpfe, mit maximal 12 Samen ausgesät und leicht bedeckt. Die Töpfe stellen wir unter Kunstlicht im Keller bei 20C . Als Kunstlicht verwenden wir Warmtonleuchtstoffröhren mit hoher Lichtausbeute, sogenannte Dreibandenlampen.

Um möglichst viel Licht auf die Sämlinge zu bringen verwenden wir verspiegelte Reflektoren. Die Lampen hängen ca. 25 cm über den Töpfen und brennen 16 Stunden am Tag. Nach 8-10 Tagen zeigen sich die ersten Sämlinge. 4 Tage später ist der Höhepunkt der Keimung schon erreicht. Nur noch wenige Nachzügler keimen noch nach 4 Wochen und bleiben auch meist in der Entwicklung zurück. Die Sämlinge bleiben 2 Monate unter Kunstlicht, ziehen dann ins Gewächshaus um. Das Haus wird auf 3C gehalten. Bei Sonne steigt die Temperatur sehr schnell.

6 Wochen alte Sämlinge, Anfang März

Sobald wie möglich kommen die Sämlinge nach draussen zur Abhärtung und werden schon mal bei angesagten Nachtfrost rein geholt.

Sind die Sämlinge genügend erstarkt, wird in 10er Töpfe pikiert. Die Töpfe werden mit Erdschluss ausgesetzt. Sobald die Töpfe durchwurzelt sind, werden sie in 12er und später in 14er und 16er Töpfe umgesetzt. Die Sämlinge blühen im nächsten Jahr im 16er Topf und werden selektiert. Das geschieht einmal aus Platzgründen, zum anderen bringen kleinere Töpfe ein besseres Wachstum; die Erde durchnässt nicht.

Ende Juli, Sämlinge

links vom Frühjahr

rechts vom Vorjahr der geblüht hat und größer gesetzt wird

Nach Fehlschlägen mit den unterschiedlichsten Erden aus Gartencentern benutzen wir eine Gärtnererde, Stender Topfsubstrat grobe Struktur E 910 mit Cocopor, in 70ltr Säcken. Zur Verwendung schütten wir einen halben Sack in eine Schubkarre und düngen auf mit 200 g eines Langzeitdüngers meist Plantacote 6 M 14+9+15. Zur Nachdüngung im Frühjahr oder kurz vor der Blüte wird Rosendünger vom Discounter auf die Töpfe gestreut ca. 1 Esslöffel pro Topf.

Bis zur Blüte bleiben die Pflanzen Topf an Topf stehen und werden mit der ersten Blüte herausgenommen und auf den Rasen gestellt und selektiert.

Die Hauptaufgabe ist dann das Giessen. Töpfe in der Sonne werden sehr warm und müssen dann meist 2mal am Tage gegossen werden. Wieviel Dünger und Wasser die Hemerocallis brauchen zeigen Versuche meiner Frau, wenn sie Töpfe in Eimer mit Düngerlösung stellt damit sie sich richtig voll saugen können. Nach 2-3 Tagen werden die Blüten größer und perfekter. Das ist sicher auch ein Grund, neben dem Klima, das die Aufnahmen der Züchter in Florida so tolle Blüten zeigen.

Im ersten Jahr wird nach dem Aussehen der Blüte selektiert. Das zweite Jahr zeigt dann Blüte, Blühwilligkeit und Wuchs. Die pflegeleichtesten Hemerocallis sind dormant also einziehend. Im Frühjahr zeigt sich ihr gesunder Austrieb. Die Anderen müssen geputzt und geschnitten werden und sind empfindlich für Fäulnis. Leider kommen aus Florida nur sehr wenige echte dormant Hemerocallis. Zum anderen geht die Züchtung auf Grund der jährlichen Generationsfolge dort schneller voran, deshalb nehmen wir immer wieder diese zum Einkreuzen.

Anfang März, Sämlinge vom Vorjahr

Anfang März, Sämlinge und Sorten

Wenn wir bisher immer Vierecktöpfe benutzen, werden größere Hems in 30er Rundtöpfe gepflanzt. Hier bleiben sie bis sie den Topf füllen und geteilt werden müssen. Geteilt wird durch zerschneiden des Ballens mit einem Messer. Eine Hälfte wird in den Topf zurück gestellt und mit neuer Erde aufgefüllt. Die Hems wachsen ohne Auflockern des Ballen weiter.

Zur Blütezeit stehen überall Töpfe

Für uns ist das Züchten ein reines Hobby es gibt nichts Schöneres als wenn am Morgen eine neue, schöne Blüte aufgeht und man sie mit den ersten Sonnenstrahlen bewundert.

Die Selektion von Sämlingen wird von beiden gemeinsam sehr streng durchgeführt. Das Ziel ist nicht nur eine Taglilie mit schönen Blüten, sondern sie soll vor allem auch mit unserem oft unfreundlichen Wetter zurechtkommen und ihre Blüten auch nach kühlen Nächten gut öffnen. Die Ansprüche sind hoch gesteckt, und so werden immer wieder Sämlinge aussortiert, die sich irgendwann nicht mehr als befriedigend erweisen.

Hier geht es zum Sämlings Album

Karl Rupp, 2009

  75-06 (86-04(Polynesian Lovesong x Lori Goldston) X 83-04) Zwei Ansichten einer Sorte

Uerdinger Zitroneneis, 2009

19-06 J.T. Davis X Ribbon And Things

Uerdinger Feuerwerk, 2010,

53-06 ((Spacecoast Surprise Purple x La Vita) X Madly Red

Udo Braksein, 2010,

65-03 Lori Goldston X Shimmering Elegance

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